#1 Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 23.04.2016 16:18

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Equisetum arvense - der Ackerschachtelhalm
Heilpflanze, Stärkungsmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel aber auch eines der hartnäckigsten Wildkräuter in unseren Beeten überhaupt. Meist ein Indikator für verdichtete Böden. Eine normale Bekämpfung ohne Bodenaufbereitung erscheint meist aussichtslos. Eigentlich eine tolle Pflanze, sofern sie dort wächst, wo sie nicht stört oder andere Flora verdrängen kann.
Die Rhizome der Pflanzen sind extrem ausdauernd und robust...reichen tief in die Böden, weshalb sie nach oberirdischer Entfernung innerhalb weniger Tage erneut austreiben.
In meiner Neuanlage vom letzten Jahr scheint der Boden tiefgründig verdichtet zu sein, der Ackerschachtelhalm hat sich einfach durch das unten eingebrachte Vlies gebohrt und ihm ist kaum Herr zu werden. Wöchentliche Entfernung so tief als möglich über einem Zeitraum von 10 Monaten erbrachte nicht ansatzweise Erfolg.
Ich bin kein Freund von Chemie, dennoch sehe ich in diesem Fall keinen anderen Ausweg. Wobei man sagen muß, dass es für Ackerschachtelhalm auch kein 100prozentiges Mittel gibt. Alle gängigen Mittel, selbst diese aus der Landwirtschaft, versagen bzw bringen nur kurzfristig und oberirdisch Erfolg.
Nun möchte ich aber folgendes ausprobieren und darüber berichten
http://www.amazon.de/Neudorff-493-Finals...keywords=girsch
Ich habe es nun vor 10 Tagen zum ersten Mal ausprobiert. Allerdings würde ich ein Mittel nie spritzen, sondern verwende einen Pinsel um tatsächlich gezielt und umweltschonend vorgehen zu können. Und vor allem möchte man sicherlich auch keine andere Flora damit töten, das Mittel macht natürlich keinen Unterschied um welche Pflanze es sich handelt.... also werden die frischen Triebe nur etwas eingepinselt. Das Konzentrat muß entprechend nach Anleitung verdünnt werden und ist eigentlich zur Bekämpfung von Giersch gedacht. Mindestensatztemperatur liegt bei 10 Grad und natürlich muß es beim Ausbringen trocken und windstill sein.
Erste Erfolge konnte ich bereits am nächsten Tag erkennen. Die bepinselten Triebspitzen wurden braun. Nach mehreren Tagen beginnen diese zu vertrocknen. Scheint tatsächlich zu helfen, auf Round-Up beispielsweise reagiert Schachtelhalm überhaupt nicht.
Natürlich wird der Schachtelhalm dennoch wieder austreiben, davon bin ich überzeugt aber mit etwas Konsequenz scheint das eine Chance zu sein, dem Problem langfristig Herr zu werden.....durch Wiederholungsbehandlungen....meine Hoffnung, der Wirkstoff wird langfristig bis tief in die Rhizome geleitet, was dann irgendwann vielleicht ein Ende für die Pflanze bedeutet. Ich werde demnächst mal evtl Bilder einstellen.....zur Dokumentation....
Wie gesagt, ich bin alles andere als ein Freund von Chemie....sehe hier aber keine andere Möglichkeit......mir ist sehr wichtig, gezielt, umweltschonend und vorsichtig vorzugehen...deshalb auch die Pinselmethode....

Fortsetzung folgt....

#2 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Roland W. 23.04.2016 21:14

Hallo Matthias,

meine Frau streut einen Teelöffel normales Speisesalz auf die Pflanzen. Hilft genauso gut oder schlecht wie Dein teures Mittel.

#3 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von ThomasB 24.04.2016 08:07

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Hallo Matthias,

danke auch für den ersten Eintrag in der neuen Rubrik ;-)
Sicher kommen noch andere Kräutlein hinzu

LG
Thomas

#4 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 24.04.2016 09:59

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Hallo Roland,


ja ich kenne das mit dem Salz. Einige verwenden Salz, andere Essig oder ähnliches. Ich kann beides nicht empfehlen und würde es nicht verwenden. Es hilft zwar sehr kurzfristig und oberirdisch, dem Rhizom juckt dies aber in der Regel nicht. Ferner sind Salze ua. denkbar schlecht fürs Substrat und für angrenzende Pflanzen, so dass bei zuviel Eintrag der Boden quasi toxisch wird und wirkt.

In meinem Beet beispielsweise, bohrt sich der Schachtelhalm durch Teppiche von Delosperma oder Sedum und andere Pflanzen. Salz und Essig würden auch die Polster mitzerstören...bis sich die Polster regeneriert hätten, wäre der Schachtelhalm längst vorher wieder da.

Das Mittel wirkt halt viel gezielter und tiefer und vor allem schonender fürs Substrat....ob es eine endgültige Lösung sein kann/wird, sei dahingestellt....deshalb auch dieser Thread...als Doku und Erfahrung zu verstehen....soll anderen zukünftig helfen....


Viele Grüße Matthias

#5 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 24.04.2016 10:01

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Hallo Thomas

Mir würden auf Anhieb noch so manches Kräutlein einfallen. Hoffe, dass der eine oder andere Beitrag hier entsteht.

Lg Matthias

#6 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Mirko 24.04.2016 12:33

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Solche Mittel werden ja immer damit beworben das sie vor allem auch gezielt im Wurzel- und Rhizombereich wirken bzw. auch bis dahin vordringen. Ich habe genau dieses Mittel auch schon mal gegen einen schon sehr alten Massenbestand Giersch angewandt. Oberirdisch hat das Mittel innerhalb von nur einer halben Stunde schon Wirkung gezeigt und am nächsten Tag war der Giersch dann oberirdisch abgestorben. Es hat aber nicht lange gedauert, dann ist er wieder munter ausgetrieben. Das ganze habe ich dann 3 mal gemacht, bis die Flasche leer war. Immer das gleiche Ergebnis. Also nix mit "Wirkt bis in die Wurzelspitze"......

Es gibt aber eine Theorie warum das so ist, zu den im Handel frei erwerblichen Herbiziden, die mir mal jemand erklärt hat. Ob da was dran ist weiß ich nicht, ich könnte es mit aber in der heutigen Marktwirtschaft gut vorstellen.
Und zwar wird ja auf der Verpackung eine gewisse Dosierung/Konzentration angegeben. Diese ist mit Absicht viel zu hoch gewählt!!!! Der Grund: Die Pflanze soll so schnell oberirdisch ab Sterben, dass gar keine Zeit verbleibt bis der Wirkstoff ins Rhizom bzw. die Wurzel gelangen kann!
Die Pflanze stirbt zwar oberirdisch sehr schnell ab und man freut sich erst mal aber sie treibt dann munter wieder aus. Was sich ja mit meinen Beobachtungen deckt. Der Grund dafür: Man soll ja keinen zu großen Erfolg haben und das Mittel noch mal kaufen!

Klingt jetzt ein bisschen so wie eine Verschwörungstheorie aber ich glaube das hat sogar mal jemand getestet. Mal als Vergleich. Ich hatte mal das Mittel Roundup. Da hat man nach der Behandlung zwei Wochen fast gar nichts an den Pflanzen gesehen. Dann sind sie aber nach und nach abgestorben und sind auch nicht wieder ausgerieben! Es handelte sich dabei aber damals nicht um Giersch.
Matthias, da wärst du ja jetzt der perfekte Testkandidat! Du könntest ja einen Teil des Schachtelhalms mit der angegeben Konzentration behandeln und einen Teil mit einer deutlich geringeren.....

Noch ne Frage. Wirkt das überhaupt gegen Schachtelhalm? Denn nicht alle Herbizide wirken gegen jede Pflanze!

Ich habe im übrigen auch den Schachtelhalm im Garten. Aber eigentlich keine Großen Probleme mit dem. Der treibt zwar auch immer wieder durch, lässt sich aber (oberirdisch) sehr leicht entfernen. Zudem stelle ich mir aus dem immer Schachtelhalmbrühe/jauche her, die ich wegen des hohen Siliziumgehaltes zur Stärkung meines Bambus verwende.
Da habe ich mit anderen "Unkräutern" viel mehr Probleme. Der schöne rote Klee z.B.

#7 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 24.04.2016 12:46

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Hallo Mirko,

vielen Dank für Deinen tollen Beitrag!
Das finde ich sehr interessant was Du schreibst! Werde das in jedem Fall ausprobieren und entsprechend vergleichen. Es würde irgendwo ja schon Sinn ergeben! Bin total gespannt und werde berichten.
Zu Deiner Frage ob es überhaupt wirkt. Ja, es wirkt....sehr schnell sogar....aber vermutlich halt nicht tief genug...aufgrund wie Du es bereits so gut beschrieben hast. Ich gehe nicht davon aus, dass der Schachtelhalm nun aufgegeben hat.
Melde mich später nochmal zum Thema.

#8 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 24.04.2016 14:26

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Nach dem Auftrag des Mittels mit dem Pinsel wird der Schachtelhalm innerhalb kurzer Zeit braun und stirbt zumindest erstmal oberirdisch ab...beim nächsten Mal bzw bei den inzwischen wieder frisch erschienenen Trieben, möchte ich es so ausprobieren wie Mirko es gesagt hat.....wesentlich höher verdünnt und mal gucken was geschieht....


#9 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Lute 24.04.2016 15:12

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Moi Matthias; Roland W; Thomas B. und Marko.

Nun bin ich gespannt was noch mehr kommt. Ein sehr interessantes Tread, nun einmahl nicht über Pflanzen.
Können wir unsere Probleme (Gartenfluch. Ich kenne der Segen nicht) teilen mit einander und davon lernen.

Lute NL

#10 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 08.08.2017 12:10

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Fazit nach 2 Jahren:


Das Mittelchen habe ich in diesem Jahr nicht mehr angewandt. Es brachte immer nur temporär und nur kurz Erfolg. Es steht zum Aufwand in keinem Verhältnis. Durch stetiges jäten konnte der Schachtelhalm stark geschwächt werden. Inzwischen ist er bestimmt um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Hier ist allerdings Konsequenz erforderlich. Am besten jede Woche jäten. Ich denke, in ein bis 2 Jahren ist er im Wüstenbeet völlig verschwunden. Wäre ich nicht so konsequent vorgegangen wäre im Wüstenbeet vermutlich nur noch Schachtelhalm zu sehen. Das Mittelchen jedenfalls würde ich nicht empfehlen da es einfach die Rhizome nicht erreicht trotz aller möglichen probierten Dosierungen.

#11 RE: Schachtelhalm - Fluch und Segen von Matthias 28.09.2018 10:55

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Fazit nach über 3 Jahren:

Der Schachtelhalm wurde in diesem Jahr so gut wie besiegt. Das warme trockene Jahr hat ihn letztlich zur Aufgabe gezwungen. Die wenigen noch gewachsenen Halme wurden händisch gezogen und nun scheint es endgültig vorbei zu sein. Irgendwelche Mittelchen kann ich nicht empfehlen. Hier hat sich konsequente Handarbeit bewährt. Das eingangs erwähnte Mittel wirkt gut aber nur oberirdisch. Es verbrennt die Halme in sehr kurzer Zeit. Ein Pinseltupfer genügte. Genauso würde auch habdelsübliche Essigessenz funktionieren (Verbrennungsprinzip). Ich würde jedoch nichts dergleichen empfehlen.

Und eigentlich sieht ja so ein Schachtelhalm Schotterbeet ganz hübsch aus😆

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