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#46 RE: Canyonlands von Walter 16.01.2017 19:28

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VOLLTREFFER

Jetzt bin ich restlos überzeugt, Jürgen !!!
Ist schon interessant, wie nahe die Blätter dieser 3 Gattungen beieinander liegen.
Mit Blüten wäre das sofort aufgefallen, denn da liegen ja Welten zwischen den weißblühenden Hesperocallis und Eremocrinum einerseits und der grüngelb blühenden Frasera andererseits!
Aber Hand auf´s Herz: wer hat denn diese Gattungsnamen überhaupt schon mal gehört ??? Oder hätte mit einem Enziangewächs gerechnet ?

Aber: fast genauso interessant, dass die "Begleitpflanzen" im Arches als Yucca angustissima bezeichnet werden!
Ich hatte ja etwas weiter oben Yuccas aus dem Arches-Gebiet gezeigt, und gewisse Zweifel an harrimaniae durchblicken lassen.
Die vielen Yuccabilder vom Arches NM hatte ich noch nicht gezeigt.
Bin aber eben gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen worden und brauche erst mal etwas Zeit zur Orientierung, auch wenn es schon wieder unter den Nägeln brennt

LG Walter

#47 RE: Canyonlands von Horst-Ruhrgebiet 16.01.2017 20:14

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Hallo Walter,

das mit den Yuccas aus der Ecke Utah/Colorado sehe ich ähnlich. Da gibt es im Handel einiges was mir ein
Stirnrunzeln auf mein botoxgestähltes Haupt zaubert. Y. glauca, angustissima, harrimaniae und baileyi werden
häufig verwechselt. Wenn die Herkunft der Pflanzen countybezogen angegeben wird kommen manchmal
Zweifel auf.

#48 RE: Canyonlands von Juergen B. 16.01.2017 22:27

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Hallo Walter,

freut mich, dass es Dir wieder besser geht. Pass' auch weiterhin gut auf Dich auf!

Ja, die mit den Enzianen verwandten Frasera kannte ich schon (Du vermutlich auch), und die Gattung ist mir anfänglich auch schon in der Birne umhegeschwirrt, aber dann kam Konfusius mit seiner Hemerocallis undulata des Weges! ....

Auf den verlinkten Fotos wurden die Yucca angustissima zwar nicht (mit) benannt, jedoch an anderer Stelle.

In der "Annotated Checklist of Vascular Flora - Canyonlands National Park"
(Natural Resource Technical Report NPS/NCPN/NRTR—2009/221) - wo wir auch Frasera paniculata, hier als Utah Swertia, finden - werden Y. angustissima, Y. baccata, Y. harrimaniae sowie Y. toftiae gelistet, d. h. also drei und ohne Blüten bzw. Blüten- Fruchtstand auf den ersten Blick leicht verwechselbare Taxa. Yuccas sind halt keine leichte Gattung, und mit Hybriden und unklaren Pflanzen ist immer zu rechnen. Aber die Blätter sind m. E. bei genauerem Hinsehen schon unterscheidbar, wenn auch mit Wenns und Abers.

Y. angustissima hat linear-lanzettliche Blätter, basal meist plano-convex bis gekielt, wenig breiter in der Blattmitte und lang zugespitzt, ober und unterseitig glatt.
Y. toftiae ähnlich angustissima, vielleicht mehr geradlinig linear.
Y. harrimaniae linear bis spatelförmig lanzettlich, gewöhnlich breiter und in der Mitte deutlicher verbreitert als bei den zuvor genannten, bis Basal meist Konkav-konvex, nicht abgeflacht,

Zudem sind alle Taxa sind ausgesprochen variabel, die Merkmale überschneiden sich eben und es gibt scheinbare Zwischenformen und Hybriden. Ohne Blüten bzw. Fruchtstände wird eine sichere Bestimmung ohnehin schwierig sein. Aber wem sage ich das. Ihr wart höchstselbst vor Ort und habt das ja mit Euren eigenen Augen feststellen können.

Es gibt nicht nur im Handel (da aber ganz besonders) einiges was ein "Stirnrunzeln auf Hottes botoxgestähltes Haupt zaubert" -
selbst in den Herbarien sind wohl nicht wenige Fehlbestimmungen zu finden, und das abgesehen von bestehenden taxonomischen Wirrwaren und Versenkungen sowie doch ganz unterschiedlichen Ansichten oder Interpretationen.

Auch deshalb sind (wären) exakte Standortangeben zweckmäßig, die leider aber vorgeblich zum Schutz von seltenen und gefährdeten Pflanzen oftmals nicht genannt werden (oder doch eher als eine Form von Herrschafts- oder auch Insiderwissen für sich behält)! Aber es heißt auch: Was man nicht kennt, kann man auch nicht schützen!

Übrigens in diesem Zusammenhang fällt mir ein, falls Jemand ungenehmigterweise und populationsbedrohend rare und bedrohte Taxa wegzusammeln gedenkt, sollte er sich darüber im Klaren sein, nicht nur als Tscheche, Slowake und Russe, der große Bruder ist überall. Hab neulich einen interessanten Artikel vom vergangenen Jahr gefunden!



LG Jorge

#49 RE: Canyonlands von Juergen B. 17.01.2017 18:55

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@Horst-Ruhrgebiet, aka "Herr Conifer zeigt Waden her",

'tschuldige bitte, ich hatte bislang leider ganz vergessen, auch Dir für Deine ergänzenden tollen Fotoberichte zu danken!

Zitat von Walter im Beitrag #35

Hier ist übrigens noch so ein völlig unklarer Kandidat aus dieser Gegend (Klondike Bluffs)


große, grüne, weiche Blätter im reinen, tiefgründigen Sand. Sowas würde man dort mit Sicherheit nicht erwarten,
denn rundum nur Xerophytenpopulation mit vielen Yuccas, ...


@Walter,

auch die zweite ID dürfte - ebenfalls dank der Unterstützung meines Freundes Andrey - nun ebenfalls geklärt sein:

Die Gattung hatte ich zwar schon in Erwägung gezogen, aber bei dem Stadort mit rundum nur Xerophytenpopulation ... dann aber doch wieder fallen gelassen.

Wer hätte das gedacht: es ist ein Knöterichgewächs, oder genauer ein Ampfer!

Sehr warscheinlicht gehören diese großen, grünen, weichen Blätter zu Rumex venosus, von Frederick Traugott Pursh, eigentlich Friedrich Pursch (1774 - 1820), einem deutsch-kanadischer Botaniker und Gärtner, 1813 erstbeschrieben. Der deutsch botanische Name ist Geaderter Ampfer, oder in englisch Veined or Veiny Dog, weitere volkstümliche Namen sind Winged Dock, Sand Dock, oder auch "Wild Begonia", weil manche meinen, die fruchtenden Pflanzen würden einer Begonie ähneln.

Rumex venosus ist eigentlich eine unverwechselbare Spezies, wird aber dennoch gelegentlich mit anderen Mitgliedern der Gattung verwechselt, insbesondere mit R. hymenosepalus, dem Arizona oder Canaigre Dock, die auch beide für den Arches NP gelistet sind. Von Sergei L. Mosyakinich wird in der FNA (2002) berichtet, dass Herbarbelege beider Taxa jeweils falsch als die andere Art bestimmt worden seien. Vergleicht selbst:


Juniper Dunes Wilderness, Franklin County, Pasco, WA, USA; Foto: Martin Schrattenholzer / Flickr


Rumex hymenosepalus, Tortugas Mountain, östl. Las Cruces, Doña Ana County, NM, USA; Foto: Patrick Alexander / Flickr

Falls Du bzw. Ihr weitere Pflanzen mit unklarer ID habt, keine Scheu zeigt die Fotos, denn gemeinsam sind wir stark!

LG Jorge

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